Xi Jinping in den USA: Trump hat die Macht abgegeben
Der chinesische Präsident Xi Jinping war vom 23. bis 25. September in den USA und hat Donald Trump besucht. Der Auftritt der beiden Machthaber war aufschlussreich. Wer die Reden genau verfolgt, erkennt schnell, dass Trump das Zepter der Macht abgegeben hat. Im Vergleich zu Xi wirkte Trump klein.
Mit dem mächtigsten Mann der Welt meine ich selbstverständlich nicht Donald, sondern Xi. In diesem Text ordne ich den Besuch so ein, wie ich ihn wahrgenommen habe.
Wo die USA noch führend sind
In meiner Wahrnehmung gibt es nur noch einen Bereich, in dem die USA führend ist, und das ist Software. Die besten Softwarelösungen kamen lange Zeit aus den USA, und in diesem Bereich sind sie immer noch vorne. Sei es bei Betriebssystemen, bei SaaS-Lösungen oder bei vielen anderen Produkten für den privaten Endverbraucher.
Auch im Bereich KI sind die USA bis heute führend. Diese Führung verdanken sie allerdings nicht der guten amerikanischen Software, sondern einer Technik, die ihnen einen klaren Vorteil bietet. Sie haben Zugang zu den besten Mikrochips der Welt. Siebzig Prozent der weltweiten Mikrochips kommen aus Taiwan. China muss sich mit alter Technik begnügen, denn der Zugang bleibt ihnen verwehrt. Trotz dieses Rückstands haben es die Chinesen geschafft, ihre alten Technologien maximal auszureizen und den Abstand gering zu halten. Es gibt zahlreiche Videos und Texte, die zeigen, wie ihnen das gelingt.
Warum Daten die neue Machtfrage sind
Eines muss man hier klarstellen. Atomare Aufrüstung hat heute keine Priorität mehr, oder zumindest weit weniger als noch vor 40 Jahren. Heute zählt, wer die leistungsstärkste KI hat. Denn der moderne Krieg wird im Homeoffice geführt.
Die Amerikaner haben ein Monopol im Bereich Datamining aufgebaut, und wir alle haben dazu beigetragen. Hier sollte man sich fragen, wem KI eigentlich gehört. Denn die künstlichen Intelligenzen der Welt wurden mit unseren Daten gefüttert. Wir haben sie sogar angelernt, ganz freiwillig und ohne Bezahlung.
Du willst wissen, wie das funktioniert? Kennst du dieses Bilder die so genannten reCAPTCHA?
Angefangen hat alles mit Antibot-Bestätigungen. Man sollte ein unleserliches Wort in ein Textfeld eingeben und bestätigen, was man gelesen hat. Millionen Menschen haben dabei geholfen, alte Ausgaben der New York Times und alte Bücher zu entziffern.

Was für die meisten Menschen nervige Stolpersteine auf dem Weg durchs Internet sind, sind für Unternehmen wie Google wichtige Werkzeuge, um ihre KI anzulernen. Man soll auswählen, wo Ampeln zu erkennen sind oder Hydranten. Das dient dem Anlernen von KI. Ich habe in den letzten zwanzig Jahren hunderte solcher Fragen beantwortet.

Inzwischen verzichten unsichtbare reCAPTCHAs weitgehend auf visuelle Rätsel. Stattdessen analysieren sie im Hintergrund Verhaltensdaten wie Mausbewegungen, Scrollverhalten, Cookies und die Interaktionsgeschwindigkeit, um das Risiko einzuschätzen und die Menschlichkeit nahtlos zu prüfen.

Wem dient die Politik noch?
Das Thema KI war bei diesem Besuch eines der wichtigsten Themen. Nicht umsonst war die Techelite der USA beim späteren Dinner dabei. Wir erleben in den letzten Jahren zunehmend, wie Milliardäre und Unternehmensgiganten Einfluss in der Politik nehmen. Die Interessen der Unternehmen scheinen vor den Interessen der Bevölkerung zu stehen. Wenn eine Straße gebaut wird, wird sie nicht mehr gebaut, um uns Bürgern einen besseren Weg zu bieten. Sie wird gebaut, wenn es dem naheliegenden Unternehmen etwas bringt. So ist zumindest mein Eindruck. Es wird nur noch etwas gemacht, wenn es der Wirtschaft dient.
Wer an der Macht ist, zeigt sich im Ton
Die erste Rede der beiden im Weißen Haus war sehr klar. Man konnte deutlich erkennen, wer hier an der Macht ist. Trump hat den Chinesen Honig ums Maul geschmiert. Er hat viel von gemeinsamer Zusammenarbeit gesprochen und von vergangenen historischen Ereignissen.
Xi war sehr direkt und hat klar gemacht, dass er keine Spannungen haben möchte. Er möchte das Vertrauen ausbauen. Des Weiteren legt Xi sehr viel Wert auf eine gemeinsame Zusammenarbeit. Er sieht beide Nationen als Vorreiter und Leader, die der Menschheit Wohlstand bringen.
Unsere Interessen sind miteinander eng verflochten. Wir können nicht alle Probleme lösen, aber wir können viele lösen. Unsere Tore zu China sind offen. Wir müssen in der Lage sein, die KI zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass die Menschen stets die Kontrolle behalten.
Diese Aussage zeigt für mich, dass China sich mehr öffnet. Sie wollen sich nicht verschließen. Sie möchten eine Zusammenarbeit, und sie wissen, dass die USA aktuell führend sind im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Nur wenn wir zusammenarbeiten, werden wir gewinnen. Wir müssen zusammenarbeiten und nicht gegeneinander. Das ist kein Rennen, wo es nur einen Gewinner geben kann.
Im Zweiten Weltkrieg haben die Amerikaner und die Chinesen gegen die Faschisten gekämpft. Diese Geschichte werden die Völker nicht vergessen. Wir setzen auf die Jugend. Wir laden einhunderttausend Jugendliche aus Amerika nach China ein.
Öffnung nach außen, Abschottung nach innen
Mein Fazit aus den beiden Reden. Ich habe das Gefühl, dass die Chinesen sich wirklich öffnen und die Hand reichen. Gleichzeitig fühlt es sich an, als wollten die Amerikaner und die Chinesen eine Allianz gegen alle anderen bilden. Es fühlt sich an, als würde gerade die Welt aufgeteilt werden. Amerika, China und Europa. George Orwell würde Bauklötze staunen, wenn er sehen würde, wohin die Welt sich entwickelt hat.
Was ich aus diesen Reden mitgenommen habe. Die Chinesen schicken zwei Pandabären nach Atlanta, während die Amerikaner hunderttausend Jugendliche nach China senden. Klingt nach einem vernünftigen Tausch. Die Chinesen möchten gerne im KI-Wettstreit mitspielen, ihnen bleibt aber der Zugang zu Hochleistungsmikrochips verwehrt.
Ich glaube daran, dass China sich dem Westen gegenüber öffnet. Leider habe ich mein Vertrauen in die weltweite Politik verloren und kann diesen Floskeln nur sehr wenig Glauben schenken.
Wohlstand ist kein 98-Zoll-Fernseher
Wir brauchen andere politische Systeme. Die Bürger müssen entscheiden. Es kann nicht sein, dass wir unsere Entscheidungen irgendwelchen wirtschaftsgetriebenen Typen in den Schoß legen.
Was bringt der ganze Wirtschaftswahnsinn, wenn wir unsere Umwelt und unsere Psyche damit zerstören? Wenn wir Frieden wollen, müssen wir aufhören, übermäßig zu konsumieren. Wir müssen aufhören, gegeneinander zu spielen. Wirtschaftliche Interessen sollten dem Wohlstand dienen. Der Wohlstand ist aber nicht ein Tesla, ein iPhone oder ein 98-Zoll-Fernseher. Wohlstand ist Frieden, Bildung, Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, Wärme, sauberes Wasser und drei Mahlzeiten am Tag. Alles andere ist Luxus.
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