Einbruchserie Bad Kreuznach: Täter nutzen Haustürbesuche

Vier Einbrüche an einem Tag in Bad Kreuznach und Umgebung. Bargeld und Schmuck sind verschwunden. Woher wussten die Täter, wo es sich lohnt einzubrechen? Ich habe da eine Vermutung.
Ich wohne in der Steubenstraße, einer der betroffenen Straßen, hatten wir in letzter Zeit fünfmal Besuch von angeblichen Telekommitarbeitern, die Glasfaserverträge verkaufen wollten. Dazu kamen zweimal Vertreter von Vattenfall. Sieben Haustürbesuche, angeblich alles nur Vertrieb.
Was verrät ein Gespräch an der Haustür?
Besonders stutzig wurde ich bei einem der Glasfaservertreter. Ich fragte ihn nach der Geschwindigkeit des Netzes. Als Informatiker weiß ich, dass Glasfaser technisch ganz andere Möglichkeiten bietet als herkömmliche Anschlüsse. Der Mann konnte mir nicht einmal eine vernünftige Auskunft geben. Von der Technik hatte er offensichtlich keine Ahnung.
Natürlich habe ich ihn nicht hereingelassen. Bei mir bleibt grundsätzlich jeder Fremde vor der Tür. Das gesamte Gespräch fand an der Haustür statt. Aber genau hier beginnt mein eigentlicher Gedanke.
Was, wenn solche Vertreterbesuche nicht ausschließlich dem Verkauf dienen?
Social Engineering ist keine Raketenwissenschaft. Man braucht weder einen Dietrich noch technische Spezialkenntnisse, um an interessante Informationen zu gelangen. Ein bisschen Menschenkenntnis, geschickte Gesprächsführung und die richtigen Fragen reichen oft aus.
Ein Gespräch über Bargeldabschaffung, Banken, Inflation oder die schlechte wirtschaftliche Lage kann erstaunlich viel verraten. Gerade in heutiger Zeit, in der politischer Frust bei vielen Menschen die Zunge lockert. Wer sein Geld zu Hause aufbewahrt, wem Banken nicht mehr vertrauenswürdig erscheinen und wer vielleicht sogar größere Bargeldbestände besitzt. Auch Schmuck, Gewohnheiten und Abwesenheitszeiten lassen sich unter Umständen beiläufig in Erfahrung bringen.
Man muss sich nur einmal überlegen, wie viele Menschen einem völlig Fremden an der Haustür bereitwillig etwas über ihr Privatleben erzählen.
Warum passen vier Tatorte in einen einzigen Tag?
Und dann haben wir eine Einbruchsserie, die innerhalb eines einzigen Tages abgewickelt wurde. Vier Tatorte in einem engen Radius und ein enger zeitlicher Rahmen. Wer organisiert vorgeht, weiß auch, dass nach den ersten bekannt gewordenen Einbrüchen die Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft steigt. Bewohner werden vorsichtiger, die Polizei möglicherweise präsenter.
Ich behaupte nicht, dass die angeblichen Telekom- oder Vattenfallvertreter etwas mit den Einbrüchen zu tun haben. Aber die zeitliche und örtliche Überschneidung sollte zumindest Anlass sein, genauer hinzuschauen.
Was sollte die Polizei prüfen?
Vielleicht sollte die Polizei auch einmal prüfen, wer in den betroffenen Straßen in den vergangenen Wochen an den Haustüren geklingelt hat.
Denn möglicherweise beginnt ein Einbruch nicht erst mit dem Aufhebeln einer Terrassentür. Möglicherweise beginnt er Tage oder Wochen vorher mit einem freundlichen Lächeln und einem vermeintlich harmlosen Verkaufsgespräch.
Und wer Fremde in seine Wohnung lässt, sollte sich gut überlegen, wem er gerade seine Tür geöffnet hat.
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